Klischees-über-Polen

Klischees gibt es zu jedem Land und Volk, manche halten sich ewig, andere sind im Wandel begriffen. Dass Deutsche also Klischees über Polen haben, ist natürlich, so wie es auch Klischees über Deutsche gibt. Nur ob diese Klischees nett oder verleumdend sind, ist die eigentliche Frage, und natürlich, ob sie auch irgendwo wahr sind.

Polen klauen

Das wohl berühmteste Klischee über Polen ist, dass sie klauen. Das verärgert die Polen zurecht, denn dadurch, dass es ein Klischee ist, wird es auf alle übertragen. Außerdem werden damit Witze gemacht, und da sich auch die Nachfahren der Opfer des Nationalsozialismus noch als solche verstehen, fühlen sie sich dadurch angegriffen. Doch wie kam es überhaupt zu diesem Vorurteil? Größtenteils geht es darauf zurück, dass gerade in den 90ern die Automafia in Polen real war. Durch Publikation der Fälle und Verarbeitung beispielsweise in der Serie „Tatort“ verbreitete sich die Auffassung, dass alle Polen klauen würden. Man sollte sich bewusst sein, dass eine Generalisierung einfach falsch ist und auch in anderen Ländern hohe Diebstahlraten usus sind. So übertrifft zum Beispiel Italien Polen gar. Ähnlich wie in Deutschland, ist in Polen die Zahl der Autodiebstähle seit den neunziger Jahren um rund 80 Prozent gefallen. Es werden auch immer weniger Polen im Ausland bei Autodiebstählen erwischt. Experten gehen davon aus, dass der Osteuropäische Wirtschaftsmotor schon seit langer Zeit nicht mehr als Markt für gestohlene Fahrzeuge dient, sondern wenn überhaupt noch als Transitregion. Die meisten Spuren der Polizei würden nach Russland, Frankreich, Belgien Litauen in die Niederlande oder in die Ukraine führen.

 

Rückständigkeit

Ein weiteres Klischee ist die wirtschaftliche Rückständigkeit. Der Aufschwung Polens in den letzten anderthalb Jahrzehnten wurde nicht richtig vermittelt, das Bild, welches man hat, ist noch das vor fast 20 Jahren. In Wirklichkeit jedoch ist Polen sehr fortschrittlich: Moderne Wolkenkratzer zieren Warschaus Skyline, es gibt gut ausgebildete Fachkräfte und ein konkretes Beispiel des wirtschaftlichen Fortschritts wäre die Entwicklung des ersten europäischen Hybridbusses in Serie. Dass die Firma „Solaris“ jedoch keine polnischen Namen für die Bustypen nimmt, sondern italienische wie „Alpino“ oder „Vacanza“, ist dabei ein Schachzug, damit wegen des Klischees keine schlechten Assoziationen geweckt werden. Wer etwas über die Wirtschaftliche Leistung Polens wissen will muss nur einmal die Webseiten unter Empfehlungen aufsuchen

Das Vorurteil der Rückständigkeit eines Nachbarlandes bezieht sich aber nicht nur auf Polen, sondern zieht sich durch die ganze Welt. Man kann es fast als Faustregel bezeichnen, dass ein westlicher gelegenes Land seinen östlichen Nachbarn als rückständig betrachtet, so Frankreich Deutschland, Deutschland Polen und Polen die Ukraine. Dieses Phänomen wird auch Orientalismus genannt.
Ein weiteres Vorurteil ist die katholische Prägung des Landes. Tatsächlich ist es so, dass sich katholische Parteien stark aus der Politik zurückgezogen haben und mit Ende von Papst Johannes Paul II. die meisten Gläubigen sich weniger für die Kirchengeschäfte interessieren.

Antisemitismus

Ein weiteres negatives Vorurteil wäre der angebliche Antisemitismus. In Wirklichkeit gibt es viele Antisemitismus-Debatten und selbst konservative Parteien wollen ein gutes Verhältnis zu Israel. Im Zusammenhang damit gibt es auf Seiten der Polen jedoch die Vermutung – ein Vorurteil? –, dass der Antisemitismus von Deutschen aufrecht erhalten würde, um ihre eigene Schuld zu mindern.
Positive Klischees?
Nebst dieser vielen negativen Klischees, die man gerade wegen ihres Charakters weitaus ausführlicher besprechen kann, gibt es aber auch einige gute: So wird den Polen eine ungemeine Gastfreundschaft zugeschrieben, ein offenes Wesen, handwerkliches Geschick und Fleiß (hier fand übrigens ein Klischeewandel statt, früher wurden sie als faul angesehen) und polnische Frauen sollen die schönsten und elegantesten sein. Und solche Vorurteile hat man doch gerne.

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